Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Das Gleichstellungsgesetz (Art. 4) verbietet die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und verlangt vom Arbeitgeber, dass er aktiv zumutbare Massnahmen einleitet, um Übergriffe zu verhindern und zu sanktionieren. Finden wegen ungenügender Prävention Übergriffe statt, hat das Opfer unter Umständen Anspruch auf finanzielle Entschädigung durch den Arbeitgeber.

Auch das Obligationenrecht (OR) verlangt vom Arbeitgeber im Rahmen seiner Fürsorgepflicht (Art. 328) ein belästigungsfreies Arbeitsklima. Bei Verletzung der Fürsorgepflicht ist der Arbeitgeber für die Schäden, die den Opfern erwachsen, ebenfalls ersatzpflichtig.

Schwere Übergriffe (Erpressung, Erzwingen sexueller Handlungen, Nötigung und Vergewaltigung) sind im Strafgesetzbuch geregelt.

 

C’est le ton qui fait la musique Ob ein Verhalten als sexuelle Belästigung beurteilt werden muss, hängt sowohl vom Empfinden der Betroffenen ab, als auch vom Kontext. Zur externen Vertrauensstelle von BeTrieb kam eine Frau, nachdem ihr Vorgesetzter zu ihr gesagt hatte: «Es gibt Männer, die um Balkone herum schleichen, aber ich mache so etwas natürlich nicht.» Diese zunächst harmlose wirkende Aussage stand im Kontext zahlreicher Anspielungen, Fragen und Annäherungsversuche durch den Vorgesetzten, die immer auf die Privatwohnung der Assistentin zielten, so dass die Balkon-Aussage insgesamt einen bedrängenden Charakter erhielt.