Zwei Gerichtsentscheide zu sexueller Belästigung

Ein Gerichtsurteil mahnt Sorgfalt und Fürsorge der Arbeitgeberin auch für die beschuldigte Person an:

Ein RAV-Personalberater verliebt sich in eine Kollegin. Obwohl sie die Annäherungen abweist, bedrängt er sie weiter und reagiert gekränkt. Die Frau wendet sich an die Geschäftsleitung. Diese spricht gegenüber dem Mitarbeiter einen Verweis mit Kündigungs-androhung aus. Als er nach Rekursmöglichkeiten fragt, erfolgt ein formeller Verweis.

Nach einem Rekurs des Mannes hat die Personalrekurskommission zu beurteilen, ob es sich bei den Annäherungen um sexuelle Belästigung handelt. Auf seinen Vorwurf, dass man ihm das rechtliche Gehör verweigert habe, stellt die Persona-lrekurskommission fest, diese Unterlassung sei nun mit der Anhörung vor der Kommission "geheilt". Sie weist den Rekurs ab. Darauf geht der Rekurrent vor das Verwaltungsgericht.

Dieses stellt fest, dass die Behörde ihrer Beratungspflicht nicht nachgekommen sei und keine Vertrauensperson gewählt habe, an die sich Mitarbeitende wenden können. Auch habe sie das Anrecht des Beschuldigten auf rechtliches Gehör verletzt, weil sie ihm nicht aufgezeigt habe, warum man seinen Einwänden nicht folgen könne. Das Verwaltungsgericht heisst den Rekurs gut und der Verweis muss aufgehoben werden.

Verwaltungsgericht des Kantons Basel-Stadt
Verfahrensnummer 747/2008

 


 

Zweieinhalb Monate nachdem eine Filialleiterin ihre Stelle angetreten hatte, beklagte sich der Lehrling, von ihr massiv sexuell bedrängt worden zu sein. Er listete verschiedene Belästigungen auf, so Berührungen an Schenkeln und im Genitalbereich, Äusserungen zu Penis und Hintern, Aufhängen eines herabmindernden Comic, auf den sie seinen Namen schrieb, Einladung, bei ihr zu übernachten, Drohungen, ihn zu entlassen.

Der Arbeitgeber konfrontierte die Filialleiterin mit diesen Anschuldigungen. Während der Aussprache erhielt sie die fristlose Kündigung. Darauf klagte sie beim Arbeitsgericht: Eine fristlose Entlassung sei unverhältnismässig.

Das Gericht beurteilte die fristlose Kündigung als berechtigt. Eine Zeugenbefragung belegte «tätliche und verbale Belästigung» und somit eine strafrechtlich relevante Handlung. Die Filialleiterin hatte zudem gegen die Verpflichtung verstossen, den Lehrling vor Belästigungen zu schützen. Das Arbeitsgericht wies die Klage ab, das Obergericht bestätigte das Urteil.

Arbeitsgericht Zürich, Nr. AN050690 / LA060022

März 2007