Was ist «Mobbing»?

Es finden sich verschiedene Definitionen von Mobbing. Wegleitend sind in Bundesgerichtsurteilen verwendete Begriffsklärungen.

Die Beratungsfirma BeTrieb arbeitet mit folgender Definition:

«Mobbing bedeutet, eine Person oder eine Gruppe am Arbeitsplatz über längere Zeit hinweg wiederholt zu schikanieren, zu bedrängen, zu entwerten und/oder auszugrenzen.»

Mobbinghandlungen können die Arbeit behindern, die physische oder psychische Gesundheit verletzen, sowie das Selbstwertgefühl der betroffenen Personen beeinträchtigen.

 

Zur Frage der Dauer

Der bekannte Forscher Heinz Leymann legte für seine Untersuchungen fest, dass Mobbing mindestens ein halbes Jahr dauern müsse. Wir von BeTrieb waren jedoch mit Ereignissen konfrontiert, die zweifelsfrei als Mobbing bezeichnet werden mussten, auch wenn sie sich innert weniger Wochen abgespielt hatten.

So hängte ein Arbeitgeber aus Ärger über eine während ihrer Schwangerschaft mehrmals krank geschriebene Mitarbeiterin eines Tages alle Arztzeugnisse am schwarzen Brett auf. Mehrere derart massive Handlungen erlauben es, von «Mobbing» zu sprechen, auch wenn sie sich nicht über ein halbes Jahr erstrecken.

 

Muss Mobbing bewusst sein?

Die meisten Mobbingdefinitionen enthalten Ausdrücke wie «gezielt» oder «systematisch». Dies legt nahe, dass ein Plan vorliege, jemanden bewusst fertig zu machen. Wir von BeTrieb haben die Erfahrung gemacht, dass es auch nicht-bewusstes Mobbing gibt. So sagte ein CEO nach einer von ihm selber in Auftrag gegebenen Präventionsveranstaltung unter vier Augen zur Geschäftsführerin von BeTrieb: «Gut, sind Sie gekommen. Ich habe beim Zuhören realisiert, dass ich einen meiner Mitarbeiter mobbe!»

 

Die Rolle des Gemobbten

Interessant ist die Definition von Oswald Neuberger (1999), welche die Frage des «Bewussten» ebenfalls ausser Acht lässt: «Jemand spielt einem übel mit und man spielt wohl oder übel mit.»

Neuberger thematisiert hier, wie schwer es ist, sich einem Mobbingprozess zu entziehen. Man kann nicht nicht kommunizieren, sondern spielt wohl oder übel mit. Die Formulierung verweist allerdings auf verschiedene Möglichkeiten: Man spielt «übel» mit und trägt etwa zur Eskalation bei – oder man spielt «wohl» mit und schafft es im besten Falle, die Mobbinghandlungen zu stoppen und den Konflikt zu entschärfen. 

 

Die kürzeste Mobbingdefinition
In einem Kaderseminar fragten wir, was «Mobbing» sei. Ein Filialleiter: «Jemandem schaden, um sich selber zu nützen.» Der Impuls zu schaden kann unbewusst sein, etwa einer allgemeinen Gruppendynamik unterworfen. Der Nutzen muss nicht materiell sein; auch ein Gefühl von Überlegenheit ist, wie wir alle wissen, ganz angenehm.