Wer belästigt, wer wird belästigt?

Sexuell belästigt werden gemäss verschiedenen Studien vor allem Frauen, die noch nicht lange im Betrieb arbeiten und weder im sozialen Netz noch in der Hierarchie eine gesicherte Stellung haben – aber auch hoch qualifizierte Frauen, die erfolgreich an ihrer Karriere arbeiten. Hier kann die Belästigung eine Form der Einschüchterung gegen unerwünschte Konkurrenz sein.

Auch Männer erleben sexuelle Belästigungen durch Männer oder Frauen. Dabei sind vor allem Männer aus sozialen Berufen betroffen, sowie Homosexuelle. Der typische Belästiger ist kein triebhafter Aussenseiter: Die meisten Belästiger sind sozial unauffällige, in festen Partnerschaften lebende Männer. 

Die Arbeitgeberseite ist verpflichtet, ihre Angestellten auch vor Übergriffen durch Kunden zu schützen, welche rund ein Drittel aller Belästigungen gegenüber Frauen ausmachen, insbesondere bei solchen, die an einer Kasse arbeiten, im Service, in Call-Centern sowie in Pflegeberufen.

 

Matthias Mölleney, ehemals Personalchef der Swissair, berichtete in einem Gespräch mit BeTrieb, dass Flight Attendants oft von Flugpassagieren belästigt werden. Warum?
Die Antwort von Herrn Mölleney lautete: «Flugangst!» Den Zusammenhang von Flugangst und sexueller Belästigung sehen wir von BeTrieb so: Ein «richtiger» Mann hat keine Angst. Verspürt er sie beim Fliegen doch, so ist er doppelt verunsichert: Er hat Angst um sein Leben – und um seine Männlichkeit dazu. Indem er zweideutige Komplimente macht oder eine Flight Attendant betatscht, kann er sich ablenken und beweist der Welt zugleich seine Männlichkeit.